Tiefe
Verbindung


29. Lektion

Tiefe Verbindung

Für göttlichen Sex muss man den Zugang zur eigenen Göttlichkeit finden und sich auf dieser Ebene begegnen.


Tiefgründige Verbindung

macht den Unterschied zwischen „normalem“ Sex und Sex, der erfüllend, inspirierend und nährend ist. Wir könnten auch sagen, der Unterschied ist, wie „tiefgehend“ die Erfahrung ist. Ist sie eher flach, dann macht jede:r mental sein Ding, und man ist gemeinsam allein in individuellen Erfahrungen, die lediglich körperliche Überschneidungen haben. Für die meisten Männer ist das ausreichend für Genuss und Entspannung. Für viele Frauen ist es maximal ein kurzer “Fix“, und sie spüren danach Leere sowie eine Sehnsucht nach mehr – selbst ohne das Wissen davon, was fehlt, haben sie eine Ahnung davon, dass etwas fehlt.            

Doch wie macht man es besser? Teilt man ein bisschen, stöhnt für die Lust des anderen, auch wenn man es nicht wirklich spürt? Oder zeigt man sich voll und ganz, inklusive seiner Schattenseiten, kommuniziert offen und ehrlich und gibt sich voll der Verbindung hin? Wenn man es schafft, sich ganz in die Erfahrungen fallen zu lassen und gegenseitig mitzureißen, wird sie so tiefgehend, so befriedigend, dass ich sie als „göttlich“ bezeichne – Sex, der zeitlosen, tiefgreifenden Genuss hervorruft. Genuss, der nicht auf die Genitalien beschränkt ist, sondern sich auf den ganzen Körper ausdehnt und scheinbar auch über diesen hinaus. Sex, bei dem man die Sensations des anderen zu spüren scheint, bei dem jede noch so kleine Bewegung des Partners einen den Atem anhalten lässt, weil sie perfekt für einen selbst gemacht zu sein scheint, einfach, weil beide genau das gleiche spüren (gespiegelt). Sex, bei dem nicht nur das gemeinsame Bewusstsein verschmilzt, sondern man scheinbar mit etwas größerem Ganzen eins wird und die Sensations nicht mehr vom eigenen Körper begrenzt werden.          

Wer diese Art von Erlebnis beim Sex noch nicht erfahren hat, für den mag die Beschreibung spirituell wirken. Ich möchte hier niemanden zu irgendeiner Form von Spiritualität bekehren, sondern schlicht das Potential von Sex aufzeigen und praktische Wege an die Hand geben, um es zu entfalten. Wenn du die Art von Erfahrung einmal erlebt hast, wirst du wissen, was ich meine. Dieses Buch wird dir hoffentlich dabei helfen, dies von zufälligen Glücksmomenten mehr und mehr zu Erfahrungen werden zu lassen, die du gezielt kreieren und aufrechterhalten kannst. Erfahrungen und Zustände die du sogar als Grundlage für eine Entwicklung von Tiefe, Genuss und Bewusstsein auf einer neuen Ebene sowie als Quelle von Kreativität und Energie nutzen kannst.

Was durch die Beschreibung hoffentlich klar geworden ist: Unter „Verbindung“ verstehe ich mehr als bloßes Berühren und die Gesellschaft des anderen genießen. Auf die Gefahr hin, etwas esoterisch zu klingen, beschreibe ich es so einfach, wie ich kann.

Die Verbindung zwischen Menschen besteht aus vier Teilen: Die Verbindung mit sich selbst als Grundlage (geistig – 1 und körperlich – 2), die Synchronisation der Wellenlängen, auf denen die Körper agieren – 3 (hauptsächlich Gehirnfrequenz und Herzschlag) und die Verbindung der Seelen – 4 (des Bewusstseins/des Geistes).        
Auf die Teile 2 und 3 gehe ich mit praktischen Übungen ausführlicher in den Kapiteln „Verbundenheit zu sich selbst“ und „Körperliche Verbundenheit schaffen“ ein.      Da der vierte Teil oft die Voraussetzung dafür ist, dass man sich überhaupt gemeinsam weiterentwickeln möchte und schnell Erfolgs- erlebnisse bringt, habe ich damit bereits begonnen (mit Eye-Gazing). Jetzt widmen wir uns Teil eins, der Voraussetzung dafür ist, diese Verbindung aufrecht zu erhalten, um dann nochmal tiefer in Teil vier einzutauchen.

Verbundenheit zu sich und zum anderen  
Eye-Gazing hat etwas von einer Abkürzung. Man kann damit unglaublich schnell und intensiv Verbundenheit schaffen. Doch diese Verbundenheit kann sich schnell wieder auflösen und im Nachhinein so anfühlen, als hätte man kurz in einem Traum gelebt, als wäre das Erlebnis nicht real. Der Grund ist, dass wir uns selten wirklich zeigen, damit auch selten wirklich gesehen werden und deshalb diese Form von Begegnung gar nicht kennen. Eine Ursache ist unsere leistungsorientierte Gesellschaft, in der wir denken, irgendwie sein zu müssen, um Erfolg zu haben. Wir denken, wir müssen dafür bestimmte Erwartungen erfüllen – Rollenbilder davon, wie ein Mensch zu sein hat. Rollenbilder, die uns dem Anschein nach dabei helfen, die Dinge zu bekommen, die wir wollen (sollen). Daher zeigen wir uns selten so wie wir sind und setzen stattdessen Masken auf. Wie Schauspieler spielen wir diese Rollen, um Erwartungen zu erfüllen und so zu sein, wie wir glauben sein zu müssen, um gemocht zu werden, uns sicher zu fühlen oder „voran“ zu kommen.

Für nachhaltige Verbundenheit müssen wir lernen, uns selbst so zu zeigen, wie wir wirklich sind, was damit einhergeht, uns selbst gänzlich wahrzunehmen. Am bedeutendsten dafür ist eine Verbindung zum eigenen „Geist“, unserem „höheren Ich“, dem Teil in uns, der den Rest wahrnimmt. Es ist der Teil, der unsere Handlungsmuster reflektieren und verändern kann. Es ist nicht der Teil, der zufrieden oder unzufrieden mit unseren Handlungen oder dem Feedback anderer ist, sondern der Teil, der wahrnimmt, ob wir zufrieden sind. Dieser Teil unterscheidet Mensch von Tier und wird auch der „göttliche Teil“ ins uns genannt. Mit diesem Wissen beginnt man eine Grundlage für tiefen und erfüllenden Sex zu verstehen. Ich möchte sie so ausdrücken:

Für göttlichen Sex muss man den Zugang zur eigenen Göttlichkeit finden und sich auf dieser Ebene begegnen.

Man könnte auch sagen: Für nahrhaften, erfüllenden Sex muss man zum eigenen „höheren Ich“ finden und sich auf dieser Ebene begegnen. Ich finde aber, die erste Variante klingt nicht nur schöner, sie ist auch ausdrucksstärker, einprägsamer und hat ein gesundes Maß an Inter- pretationsspielraum ( – die von mir gewählten Adjektive mögen vielleicht für dich nicht ganz passen).  Glücklicherweise ist die Umsetzung relativ leicht, auch wenn deren Verständnis einen Moment dauern mag und wir dazu energetisch nicht immer in der Lage sind. Was wir dafür tun müssen, ist vor allem, uns selbst zu beobachten und unser Inneres zu verstehen. Wir müssen erkennen, dass wir auf verschiedenen Bewusstseinsebenen agieren und uns zwischen diesen Ebenen entscheiden können.            

Am hilfreichsten finde ich dafür die Dreiteilung in die „animalische Ebene“, das „Ego“ und das „höhere Ich“. Mit einem wachen Verstand, der fit und ausgeschlafenen ist, ist es relativ leicht, den animalischen Teil in uns zu erkennen, ihn vielleicht zu nutzen, aber ihm bewusst nicht ganz zu verfallen, um den Tanz von Harmonie und Polarität aufrecht zu erhalten. Unpraktischerweise gibt es eine Erwartungshaltung, abends Sex zu haben; zum Beispiel am Ende eines Dates oder wenn man eh ins Bett geht. Mit Müdigkeit wird Bewusstsein jedoch schwerer, weshalb ich es meistens bevorzugen würde, Sex morgens oder tagsüber, statt abends zu haben. Das hat den simplen Vorteil, dass es mit wachem Verstand leichter ist, achtsam zu sein und bewusst zu bleiben. Daher lohnt es sich besonders, Übungen zur Verbindung tagsüber zu praktizieren, zu lernen, Körperlichkeit und Sex unabhängig von solchen Erwartungen/Gewohnheiten zu initiieren (zwei spätere Kapitel sind speziell dem Initiieren von Sex gewidmet) sowie eigene Rituale zu kreieren. Neben Müdigkeit können vor allem auch Erhabenheit sowie Angst und andere Formen emotionaler Überwältigung im Weg stehen. Daher ist persönliches Wachstum oft unabdingbar und selbst dann wertvoll, wenn man selbst nicht glaubt, es zu brauchen.

Bevor ich tiefer in die „Begegnung von Göttern“ einsteige, versuche ich ein klares Verständnis für den „Ego“-Teil in uns zu schaffen. Dieser Teil ist schwerer zu erkennen, kann Verbindung sowie authentischem Sein stark im Weg stehen, und uns von diesem nicht leiten zu lassen, ist der Weg zu nachhaltiger persönlicher Erfüllung.

Beim Versuch, dieses Buch kurz zu halten und auf das Wesentliche zu reduzieren, habe ich mit mir gehadert, der geistigen Entwicklung so viel Aufmerksamkeit zu schenken. Doch meine Interviews und viele Gespräche während des Schreibens haben mir nochmal gezeigt, wie wichtig die Auseinandersetzung mit den Teilen in uns und persönlicher Weiterentwicklung ist, denn die meisten Menschen machen in ihrer sexuellen Entwicklung einen großen und unnötigen Umweg, der in etwa 10-20 Jahre (!) dauert.* Die Hilflosigkeit bei der Problemanalyse, die Ideenlosigkeit für Lösungen und die oft sehr späten Erkenntnisse, dass es überhaupt lösbare Probleme sind, ermuntern mich, diesen Buchteil doch zu lassen. Letztlich ging es mir ja genauso! Die Begeisterung und Entwicklung nach „AHA!“-Erlebnissen gönne ich jedem Menschen so früh wie möglich (auch den „Machos“ und „Erhabenen“, die zwar selten überhaupt ein Problem sehen, aber im Nachhinein genauso froh über tiefergehenden Sex und persönliche Entwicklung sind.)

Wenn ein:e Lesende:r sich hier im Durchschnitt 15 Jahre voller Erfahrungen mit wenig erfüllendem Sex sparen kann, lohnen sich die rund 30 Seiten extra hoffentlich, auch wenn sie wenig mit Sex zu tun zu haben scheinen.


*Diese „Umwege“ nenne ich in meinem Modell sexueller Entwicklungsstufen und Rollen: Schauspielerin, Empath:in, Erhabene, Macho, Held:in, Prinz:in und Diva. Während das Modell für das Vollenden dieses Buches und die dazu geführten Interviews sehr hilfreich war, sehe ich jedoch keinen größeren Wert darin, näher darauf einzugehen. Das Buch ist so geschrieben, dass es unabhängig von der eigenen aktuellen Entwicklung oder seiner Selbsteinordnung dazu alle Menschen abholt oder zumindest abholen kann, wenn man sich auf die Inhalte einlässt.

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